Feine Kunst lässt Späne fliegen

In Predel (Elsteraue) bearbeiten sechs Holzkünstler das Thema Naturschutz an Eichenstämmen. Am Wochenende werden die Werke der Öffentlichkeit präsentiert.

Das Rattern von Kettensägen zieht am Morgen durch Predel. Späne fliegen über den sonnigen Platz, wo die Predeler sonst ihre Dorffeste feiern. Es riecht nach Holz und Benzin.

Sechs KünstlerInnen aus drei Ländern hat der Landschaftspflegeverein Mittleres Elstertal e.V. zur Umweltwoche eingeladen. Bis zum Samstag arbeiten sie in Holz, was ihnen zum Thema Naturschutz durch den Kopf geht.

Christian Schmidt aus Rauschwitz lässt das Artensterben keine Ruhe. Zu erkennen sind bereits die Quetschfalten eines riesigen offensichtlich gewaltsam verdrehten Balkens. Schmidt setzt sich nicht zum ersten Mal mit Naturschutz auseinander. Von ihm stammt jene große eichene Hand, welche die inzwischen überall Aufsehen erregende Glasarche 3 hält.

Aus Harburg nahe Hamburg hat sich Silvia Itzen auf den Weg nach Predel gemacht. Vermutlich wird sie sich mit schwerem Gerät dem Thema Bienensterben widmen. Sie bearbeitet eine Stele, deren erste Bearbeitungen Bienenwaben ahnen lassen.

Am Ende der "Open Air Werkstatt" will gerade, obwohl noch im "Rohbau" ein Reptil seine Entdeckungsreise durch die Elsteraue kriechend antreten. Martin Reichmann bearbeitet das hölzerne Wesen, geht drei Schritte zurück und setzt dann den nächsten Schnitt an.

Wir beobachten Sergiy Dushlevyx, wie er vornüber gebeugt am Boden hockend an einer Skizze arbeitet. Der Ukrainer hat eben die Rinde von einem Eichenstamm gehauen und schwitzt. Dann wendet es sich schwerem Gerät zu, nimmt den nächsten Rohling vom Kran und setzt ihn direkt auf ein Drehgestell. Woran er arbeitet ahnen wir noch nicht.

Ein kleines Gesicht modelliert nebenan Peter Duus in den Stamm. Noch ist nicht zu sehen, was der Mann aus Thum im Erzgebirge am Ende sagen wird. Er nimmt gerade aus einer Büste die Proportionen ab, überträgt sie auf sein Werk und beginnt aufmerksam mit ruhiger Hand die Bearbeitung.

Einzig Ricardo Villacis aud Ekuador hat ein konkretes Thema als Vorgabe. Er wird den Ornithologen mit Zeitzer Wurzeln Johannes Thienemann auf einer Bank sitzend darstellen. Thienemann besuchte das Gymnasium in Zeitz. Der "Vogelprofessor" (Volksmund) führte die systematische Beringung von Zugvögeln als grundlegende Technik zur Erforschung des Zugverhaltens von Zugvögeln ein. 1901 errichtete er in Rossitten (Ostpreußen; heute Rybatschi/Russland) auf der Kurischen Nehrung die erste ornithologische Forschungsstation der Welt, die Vogelwarte Rossitten (Quelle: Wikipedia).

Wir dürfen gespannt sein, was die sechs Künstler bis Samstag aus den rohen Eichenstämmen zaubern werden. Die übrigens hat die MIBRAG beigesteuert.

Förderhinweis

Finanziert wird die Aktionswoche durch den Landschaftspflegeverein „Mittleres Elstertal“ e. V., der dazu Fördermittel mit einem Fördersatz von 80 % über das regionale LEADER-Programm aus dem Europäischen Sozialfonds erhalten hat.

Grundanliegen der Förderung unter dem Schwerpunkt „Interkulturelle und interreligiöse Projekte“ ist es, über kulturverbindende Projekte und interkulturelle Veranstaltungen das gegenseitige Verständnis und die interkulturellen Kompetenzen zwischen der einheimischen Bevölkerung und Menschen ausländischer Herkunft zu unterstützen und zu fördern.